Das fliegende Auge für den Landkreis

Feuerwehr Kronau stellt neue Drohne in Dienst

Einen großen Fortschritt für die Einsatzführung und die Einsatzunterstützung bedeutet die Indienststellung des neuen Multikopters der Feuerwehr Kronau. Nicht nur an Land und auf dem Wasser sind die Feuerwehren im Landkreis Karlsruhe jetzt einsatzbereit, sondern auch in der Luft. Kommandant Bernd Eder und Kreisbrandmeister Jürgen Bordt freuen sich über das neue Einsatzgerät. „Der Einsatz der Drohne hat sich bei vielen Einsätzen im Landkreis Karlsruhe hervorragend bewährt“, so Bordt.

Das unbemannte Flugsystem kann von allen Feuerwehren des Landkreises bei bestimmten Stichworten bereits in der Alarm- und Ausrückeordnung hinterlegt werden. Auch eine Nachforderung über die Leitstelle ist selbstverständlich möglich. 

Nach einer intensiven Zeit der Vorbereitung und Schulung kann das im allgemeinen Sprachgebrauch als Drohne bezeichnete unbemannte Flugsystem wichtige Aufgaben bei Einsätzen übernehmen. Es kann in Bereiche eindringen, die für die Einsatzkräfte unerreichbar oder zu gefährlich sind. Die Drohne bietet die Möglichkeit, den Einsatzort wesentlich genauer einzuschätzen und Gefahren frühzeitig zu erkennen. 

Zum Aufgabenspektrum gehört es auch, gefährdete Menschen zu finden, die sich an Orten befinden, die  von den Einsatzkräften nicht einzusehen sind oder nur unter Ge-fahr  gefunden werden können. Menschen können dabei sowohl mit der Sichtkamera oder mit der Wärmebildkamera gefunden werden. Außerdem hilft die Wärmebildkamera, Glutnester zu erkennen, die dann gezielt abgelöscht werden können. Hierfür stehen diverse Farbskalierungen zur Verfügung.  Weiterhin lässt sich zum Einen ein Punkt markieren, um die Oberflächentemperatur in Echtzeit abzulesen.

Zum anderen lässt sich eine Bereichsmessung durchführen, um dessen Tiefst-, Höchst- und Durchschnittstemperatur anzuzeigen. Die Drohne kann bei der Brandbekämpfung eingesetzt werden, um Brandherde gezielt zu finden und  so Löschmaßnahmen effektiv zu steuern. Sie hilft der Einsatzleitung bei  der Planung 7und bietet gerade bei größeren Eins-ätzen die Möglichkeit,  den Überblick nicht zu verlieren. Aber nicht nur bei Brandeinsätzen, sondern auch, wenn beispielswiese ein Lastwagen mit Gefahrgut verunglückt ist, kann die Drohne zur Erkundung eingesetzt werden. Ebenso ist beispielsweise bei einer Gewässerverschmutzung die Einleitestelle leichter zu finden und das Ausmaß der Ausdehnung schneller zu  überblicken. 

Die Kamera hilft der Einsatzleitung sichere Zugangswege zu identifizieren und Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen.  Die Erkenntnisse aus dem Drohneneinsatz dienen ebenso effektiv zur Verbesserung von zukünftigen Einsätzen. 

Die Drohne vom Typ „Matrice 300“ ist mit ihren maximalen 9 kg ein wahrlicher Allrounder. Das  Kamerasystem verdient den Namen Spitzentechnologie und umfasst eine Sichtbildkamera mit 200fachem Zoom, eine Wärmebildkamera mit 20fachem Zoom und einen  Laserentfernungsmesser. Alles ist gleichzeitig einsetzbar. Per Pinpoint können Objekte in der Kamera oder Kartenansicht markiert werden. So lassen sich beispielsweise die Koordinaten von in Not geratenen Personen live auf die Kameraansicht projizieren. Weiterhin kann der Standort der Zielpersonen für eine Online-Plattform freigegeben werden.  

Insgesamt können drei Anbauteile gleichzeitig genutzt werden, wie beispielsweise LED Suchscheinwerfer, Lautsprecher und das Kamerasystem. Aufgrund der schier grenzenlosen Softwaremöglichkeiten wird sowohl ein Pilot als auch ein Kamera – Operator benötigt, der ausschließlich diese Technik bedient. Weitere Funktionen wie Luftraumbeobachter oder Luftbildauswerter kommen hinzu. Mit einer Gesamtflugzeit von über 50 Minuten und einem redundanten Akkusystem kann  die Drohne zeitlich nahezu unbegrenzt eingesetzt werden. Auch ein  Einsatz bei Niederschlag ist dank des IP45 Schutzes für erhöhte  Wettertauglichkeit möglich. Der maximale Windwiderstand beträgt 15m/s.  Um den Einsatz unter Extrembedingungen zu gewährleisten, wurde der  Copter mit selbstheizenden Akkus ausgestattet. Dies ermöglicht Einsätze  weit unter der Grenze von 0ºC.

Die Steuerung erfolgt über einen  Smartcontroller mit integriertem Touchscreen. Die Darstellung des  Flugbilds erfolgt drahtlos auf einem Großbildschirm am  Einsatzleitwagen. Dabei ermöglicht das Übertragungssystem eine Entfernung von bis zu 15 km. Ebenso ist eine Übertragung zur Leitstelle  oder zu einem Führungsstab möglich. Durch das vorhandene Equipment ist  die Drohneneinheit autark an der Einsatzstelle einsetzbar.

Die Drohneneinheit besteht derzeit aus Mitgliedern der Feuerwehren Kronau  und Ubstadt – Weiher. Neben einer mehrstündigen Theorie- und  Praxiseinweisung durch die Firma Drohne112 haben alle Piloten den  Drohnenführerschein A1/A3 absolviert. Ausbildung und Schulungen für das  sogenannte EU-Fernpiloten-Zeugnis A2 laufen in Kürze an. Da es wichtig  ist, Erfahrungen im Flugbetrieb zu sammeln und die umfang-reiche Technik  und Sensorik zu beherrschen, führen die Mitglieder der Drohneneinheit  regelmäßig spezielle Ausbildungsdienste durch. Hierbei orientiert sich  die Ausbildung an den „Empfehlungen für Gemeinsame Regelungen zum  Einsatz von Drohnen im Bevölkerungsschutz“ des Bundesamts für  Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Speziell zur Schulung und Ausbildung wurde jüngst auch vom Förderverein der Feuerwehr Kronau eine Übungsdrohne beschafft. Bevor ein angehender Pilot die Einsatzdrohne fliegt, gilt es, die erforderlichen Techniken und Sicherheitsaspekte zu erlernen, um mit einer Drohne verantwortungsbewusst und taktisch erfolgreich umzugehen.

 

Interessierte sind herzlich willkommen, einen Einblick in die Technik und Möglichkeiten zu erhalten. Ebenso ist eine Mitwirkung in der Drohneneinheit möglich.

Ansprechpartner FF Kronau: Bernd Eder (Kommandant)

Mail: bernd.eder@feuerwehr-kronau.de

Dirk Marterer (Leitung Drohneneinheit)

Mail: drohne@feuerwehr-kronau.de

 

Bericht und Bilder: FF Kronau