Bretten/Landkreis Karlsruhe Im Rahmen der Kreisfeuerwehrtage 2022 veranstalteten die Feuerwehren Bretten einen Tag der Sicherheit beim beruflichen Schulzentrum in Bretten. Dabei wurde ein neues Löschfahrzeug an die Abteilung Bretten übergeben und mit dem ersten vollelektrischen Löschfahrzeug ein technisches Highlight in der technischen Entwicklung zur veränderten Mobilität der Feuerwehren vorgestellt.

Rund um das Schulzentrum der Beruflichen Schulen in Bretten hatten sich am Samstagmorgen zahlreiche Ausstellungstände, Informationsmobile, modernste und historische Feuerwehr- und Blaulichtfahrzeuge zur Ausstellung aufgereiht. Die Jugendfeuerwehr des Landkreises war mit ihrer Spielstraße und verschiedenen Mitmachaktionen aus dem großen Angebot von Bastel-, Kreativ- und Spielangeboten vertreten. Angehörige aus den Jugendfeuerwehren der Feuerwehr Bretten betreuten die zahlreichen Standbesucher und standen mit Rat und Tat den feuerwehrbegeisterten Jugendlichen und Kindern gerne zu Verfügung. Für die Kinder waren die Spiele mit Wasser, gerade bei den sommerlichen Temperaturen eine beliebte Beschäftigung. Seit einigen Jahren gibt es in einigen der zehn Abteilungen der Großen Kreisstadt Gruppen der Kinderfeuerwehr. Hier ist die Mitgliedschaft ab sechs Jahren möglich. Auch hierüber wurde eifrig informiert Vorführungen und Übungen auch der Einsatzabteilungen rundeten das Informationsangebot ab. Darüber hinaus erwartete die Besucher eine Vielzahl weitere Aussteller sowie ein buntes Rahmenprogramm.

Neben den Feuerwehren aus Bretten und Oberderdingen präsentierten sich die Firmen, Organisationen und Einrichtungen: @fire e.V. internationale Katastrophenhilfe, Blut e.V. Bundeswehr, DRK Bretten, Drohnenstaffel des ASB, Heavy Rescue Germany, Polizei, Fa. Rosenbauer, Stadtverwaltung Bretten, THW OV Pforzheim. Ebenfalls mit Informationsständen waren der Kreisfeuerwehrverband und die Jugendfeuerwehr des Landkreises vertreten.

Ein besonderer Gaumenschmaus war das vom über die Grenzen Brettens hinaus bekannten Koch Guy Graessel auf der „Gulaschkanone“ zubereitete Festtagsmenü, das neben klassischem Steak und Wurst angeboten wurde. Exzellenten italienischen Kaffee und Kuchen servierte die Brettener Kaffeerösterei Nerone. 

Die Oldtimergruppe des Feuerwehrförderverein Bretten e.V. stelle, verteilt auf dem Festgelände, historische Brettener Feuerwehrfahrzeug aus und lud 15 weitere Oldtimer aus ganz Baden-Württemberg nach Bretten ein die der Brettener Einladung gerne folgten. Die mit viel Liebe und Aufwand von den Feuerwehrangehörigen top gepflegten ehemaligen Einsatzfahrzeuge spiegelten sehr anschaulich die technische Weiterentwicklung des letzten Jahrzehnts wider. Am Nachmittag machte zudem die Oldtimerausfahrt eines parallel in Bruchsal stattfindenden Feuerwehrfestes auf dem Festgelände in Bretten Station.

Die Inbetriebnahme eines neuen Löschfahrzeuges ist für die Feuerwehr immer ein wichtiger Moment. „Man übernimmt eine Technik, die für mindestens die nächsten 25 Jahren in Dienst leisten muss – auch in dem Bewusstsein, dass die Veränderungen in der Mobilität und die Auswirkungen des Klimawandels einen ständigen Veränderungsprozess auch von den Feuerwehren fordern“, so Feuerwehrkommandant Oliver Haas zu dem neuen Fahrzeug. „Wir haben bis auf die Tauchpumpe alle motorbetriebenen Geräte mit einem akkuversorgtem Elektroantrieb ausgestattet“, berichtet Achim Pleyer, Pressesprecher der Brettener Wehr. 

Stephan Noé, Abteilungskommandant der Abteilung Bretten zog einen Vergleich zu Brettens erstem motorisiertem Feuerwehrfahrzeug aus dem Jahr 1934, ein Mercedes, mit Aufbau der damaligen Karlsruher Feuerwehrgerätehersteller Carl Metz zum neuen Fahrzeug. „Heute wurde nun erstmal wieder ein Feuerwehrfahrzeug, aufgebaut auf einem Fahrgestell der Fa. Mercedes und die Feuerwehrtechnik von der Fa. Rosenbauer, in der die Fa. Metz zwischenzeitlich aufgegangen ist, nach fast 90 Jahren in der Abteilung Bretten in Dienst gestellt“. Die Feuerwehr Bretten hat sich für die Kernstadt als künftiges Erstausrückende Löschfahrzeug beim Brandeinsatz für ein Löschfahrzeug LF 10 entschieden. Nach europaweiter Ausschreibung wurden die Aufträge an die Unternehmen Rosenbauer und Mercedes für ein kompakte Löschfahrzeug der neuesten Generation, ein LF 10 Compact Technologie (CT) vergeben. Der Gesamtaufwand liegt bei 380 TEUR, wobei das Land Baden-Württemberg einen Zuschuss von 92 TEUR beisteuerte. „Wir haben uns bewusst für ein kleineres und kompaktes Fahrzeug für die Innenstadt entscheiden. Gerade auch für den Einsatz in den engeren Wohngebieten und auch als Reaktion auf die veränderten Verkehrssituationen durch verkehrsberuhigende Maßnahmen und das Parkverhalten in Wohngebieten soll uns hier den Einsatz erleichtern“, so Pleyer zur Fahrzeugwahl.

Ein sehr interessantes Thema hatte man sich für die Podiumsdiskussion auf einer Bühne im Schulhof des gewerblichen Bildungszentrums gewählt. „Katastrophenschutz und kritische Infrastruktur“. In gewohnt gekonnter Weise, moderierte Bürgermeister Nico Morast aus Massenbachhausen die sehr fachkundige und kompetente Runde. Morast ist in der Nähe von Bretten aufgewachsen und war auch einige Zeit bei der Stadtverwaltung Bretten beschäftigt. Heute ist er auch ehrenamtlicher Stellvertreter des Landrates im Landkreis Heilbronn und so mit den Themen für die Runde bestens vertraut. Unter den Zuhörern waren auch zahlreiche Feuerwehrführungskräfte und Vertreter der Politik. So auch Kreisbrandmeister Jürgen Bordt mit seinen Stellvertretern und Bürgermeister Michael Nöltner, Bretten mit Mitgliedern aus dem Brettener Gemeinderat.

Die Politik wurde durch Andrea Schwarz(GRÜNE), direkt gewählte Abgeordnete im Landtag von Baden-Württemberg aus dem Wahlkreis Bretten, vertreten. Ihr Kollege MdL Ansgar Mayr (CDU) musste die Veranstaltung krankheitsbedingt absagen. Schwarz trat für eine weitere Aufstockung der Landesmittel für den Katastrophenschutz ein. „Waren es 2011 gerade mal 400 TEUR, so stellen wir aktuell bereits 2 Mio EUR für diesen Bereich bereit“, berichtet Schwarz, die in ihrer Heimatgemeinde Oberderdingen auch Gemeinderätin ist und sich auch dort für aktuelle Fragen des Katastrophenschutzes engagiert. „Wir machen schon viel, das müssen wir aber auch immer wieder veröffentlichen und den Bürgerinnen und Bürger kommunizieren“, fordert sie die Kommunen auf.

Landesbranddirektor Thomas Egelhaaf sieht die Feuerwehren in Baden-Württemberg gut aufgestellt. „Mit über 10.000 Einsatzfahrzeugen und über 130.000 gut ausgebildeten und sehr engagierten Feuerwehrangehörigen, ist die Sicherheit in unserem Land sehr groß“, stellte der oberster Feuerwehrmann in Baden-Württemberg fest. Egelhaaf ist Einwohner von Bretten und hat so auch einen direkten Bezug zu den Aufgaben der Feuerwehr vor Ort. „Die Zusammenarbeit aller Organisationen aus der Blaulichtfamilie hat sich seit dem NATO-Gipfel 2009 in allen folgenden Krisenzeiten sehr gut im Land bewährt“, stellte Egelhaaf zur Frage der Zusammenarbeit fest. Für die Zukunft sieht er noch ein großes Potential in der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit bei Spezialaufgaben. „Wenn für den Bereich der gefährlichen Güter und Stoffe die Arbeit der interkommunalen Gefahrgutzüge seit Jahren in allen Landkreises gut funktioniert, so stelle ich mir dieses bewährte Modell auch für andere Aufgaben gut vor“, führte Egelhaaf zu einer Zukunftsaufgabe weiter aus.

Dr. Andreas Bräutigam, Ministerialrat im Innenministerium von Nordrhein-Westfalen berichtete aus erster Hand über das Explosionsunglück in der Brettener Partnerstadt Hemer. Zu den Unwettern vor fast vor einem Jahr mit einem Schwerpunkt in NRW, berichtete er sehr ausführlich. „Es gibt hier verschiedene Ansätze zu Verbesserungen. Diese haben auch Aufnahme in den erst kürzlich abgeschlossenen neuen Koalitionsvertrag gefunden“, berichtet Dr. Bräutigam zu den Folgen der Flut und Überschwemmungen. Als besonders wichtig findet er die gute Einbindung von Spontanhelfern und die Organisation des Einsatzes, der auch in seinem Land sehr schnell und zahlenmäßig stark angerückten überörtlichen Hilfen, teilweise auch aus anderen Bundesländern. Verbesserungen gibt es auch noch beim Digitalfunk.

Stefan Hermann, Vizepräsident Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg, Kreisbrandmeister Zollernalbkreis stellte fest, dass die Feuerwehren in unserem Land gut aufgestellt sind. Für bestimmte Bereiche sieht er Nachholbedarf. „Es gilt Planungen und Vorbereitungen auf Krisen zu treffen. Einige Landkreise sind hier auch schon sehr weit. Dies ist aber nur mit entsprechender Personalausstattung möglich“, so der Vertreter des Landesfeuerwehrverbandes. Hermann berichtete über ein Konzeptfahrzeug auf der jüngsten Interschutz. Hierzu stellte er klar fest: Nicht ausprobieren sondern beschaffen! Das Fahrzeug ist ein gute Entwicklung für die anstehenden Einsätze.

Oliver Haas, Feuerwehrkommandant in Bretten sieht die Feuerwehren immer gezwungen schnell und kompetent auf neue Aufgaben zuzugehen. „Das können die Feuerwehren gut und haben sie auch schon oft bewiesen. Bei manchen Neuerungen wünsche ich mir aber von der Politik, dass man nicht so schnell vorprescht und die Feuerwehren vor vollendete Tatsachen stellt“, so Haas zu der Diskussion um den Verzicht auf Verbrennungsmotoren in nächster Zeit.

Zu diesem Thema waren sich alle auf dem Podium einig. Die alternativen Antriebe werden bei der Feuerwehr Einzug halten. Bei kleineren Fahrzeugen wohl eher als bei den größeren Löschfahrzeugen. „Die Feuerwehr wird sich der technischen Entwicklung bei den Nutzfahrzeugen anpassen müssen und kann sich keine eigene Entwicklung leisten“, stellt der Landebranddirektor zur Zukunft der Antriebstechnik fest. So waren die Podiumsteilnehmer auch mit dem vollelektrischen Löschfahrzeug der Fa. Rosenbauer zu Bühne vorgefahren.

Keine Antworten und konkrete Lösungen gab es noch auf die eventuell anstehende Energiekrise durch den Ausfall von Gaslieferungen. Hier wird aber sehr viel in Vorbereitung auf eine eventuelle Krise in Stäben und Arbeitskreisen gearbeitet. „Die Feuerwehren und Städte arbeiten intensiv an der Notstromversorgung für öffentliche Gebäude“, stellte hierzu der Brettener Feuerwehrchef abschließend fest.

Den Abschluss des Tag der Sicherheit in Bretten bildete am Abend der Auftritt der Band neun.live die mit Rap- und Rocksongs am Abend das Publikum einheizten.